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Grundwassersituation – Höchststände im Frühjahr 2001/2002

Überflutung Am Badanger

Wie in den vorangegangen Frühjahren haben die Grundwasserstände auch im März 2001 und 2002 in weiten Teilen des Stadtgebietes den höchsten Stand seit den letzen 10 – 15 Jahren erreicht. Der Trend, das die Grundwasserhöchststände seit 1999 sich jeweils im Frühjahr ihr Maximum erreichen, hat sich weiterhin fortgesetzt. Wiederrum am stärksten betroffen waren die Gebiete, die allgemein durch geringe Grundwasserflurabstände von bis zu 1 m gekennzeichnet sind. Dies sind vor allem die Sandrachnahen Gebiete mit ihren ehemaligen Mäandern sowie die Talniederungen der nördlichen Fließgewässer.

Teilweise wurden an verschieden Grundwassermessstellen im südlichen Stadtgebiet die maximalen Pegelstände von 1965/66 überschritten. Besonders die starken Niederschläge im März 2001(rd. 155 mm/m²) führten in den weitgehend unbebauten und unversiegelten Flächen des Süd- und nordwestlichen Stadtbereiches zu einem schnellen und starken Grundwasseranstieg (siehe Karte) von bis zu 2 m über den langjährigen Mittelwasserständen.

Verschärft hat sich die Situation zusätzlich durch das Hochwasser vom 22/23.03.2002 in den Flussniederungen der Sandrach und des Mailinger Baches. Besonders in den gewässernahen Bereichen führte die erhöhte Wasserführung und Ausuferung der Fließgewässer zu einem starken Grundwasseranstieg.

Das Donauhochwasser vom 23.03.2002 (Pegelstand 4,85 m) führte hingegen nur lokal begrenzt zu geringfügigen Grundwasseranstiegen.

Seit Beginn der Nässeperiode im Herbst 1998 werden weiterhin in den kritisch besiedelten Gebieten vermehrt Vernässungsschäden an Gebäuden gemeldet. Durch großflächige Vernässungen in den Niederungsgebieten konnten vereinzelt landwirtschaftliche Flächen nicht oder nur verzögert bestellt werden.

Das südliche Stadtgebiet

Als besonders problematisch erweist sich immer wieder das südliche Stadtgebiet mit den Niederungen zur Sandrach. Vergleicht man die mittleren Grundwasserstände mit den Grundwasserständen vom März 2001 (siehe Karte) wird der starke Grundwasseranstieg infolge der lang anhaltenden Niederschläge flächenhaft deutlich. Wie sich die Grundwassersituation im Frühjahr 2001 im südlichen Stadtgebiet darstellte, zeigt die Karte der Grundwasserflurabstände nach dem Starkregenereignis vom März 2001.

Erläuterungen zu den vorliegenden Karten:

Die Karten der Grundwasserflurabstände zeigen die Differenz zwischen der Geländeoberfläche und des Grundwasserspiegels.
Die Flurabstände erlauben eine schnelle Bewertung der Auswirkungen hoher Grundwasserstände auf die Örtlichkeiten. Potentielle Vernässungsgebiete oder offene Wasserflächen lassen sich anhand der Blautöne in den Karten gut erkennen. Größere Flurabstände werden durch Gelb-, bis hin zu Rottönen dargestellt. Die genauen Werte für die einzelnen Farbstufen sind der Legende in den Karten zu entnehmen.

Ursachen der Grundwasserhöchststände

Die Ursachen sind meist in einer addierenden Wirkung unterschiedlicher Einflüssen zu sehen. Hauptverursacher der erhöhten Grundwasserstände der letzten Jahre sind die Jahressummen der Niederschläge (siehe Grafik) welche die langjährigen mittleren Verhältnisse um rd. 35% übersteigen.

In den Jahren 2001 und 2002 fielen gemäß den Aufzeichnungen der Wehrtechnischen Dienststelle Manching durchschnittlich rd. 960 mm Niederschlag im Ingolstädter Süden. Eine Niederschlagsmenge die zuletzt 1958 in Ingolstadt erreicht wurde. Ursächlich für die starken Grundwasseranstiege war mit die Tatsache, dass besonders die Niederschlagsmengen der Monate Januar bis März gegenüber früheren Jahren mit 85% über den langjährigen durchschnittlichen Quartalsmengen (siehe Grafik) lagen. Die starken Niederschläge im März 2001 mit 160 mm /Monat sowie im Frühjahr 2002 mit 100 mm /Monat aktivierten zusätzlich den Versickerungsprozess und führten in den gut durchlässigen Ingolstädter Kiesböden zu einem deutlichen Anstieg von bis zu 80 cm innerhalb weniger Tage. So tragen besonders Niederschläge im Winter auf Grund einer verringerten Verdunstung in stärkeren Maße zur Auffüllung des Bodenwasserspeichers und nachfolgend zur Grundwasserneubildung bei, als im Sommer, wenn viel verdunstet und das Aufnahmevermögen der Pflanzen überwiegt.

Bereits der außergewöhnlich starke Grundwasseranstieg im November 1998 und die beiden darauffolgenden nassen Winterhalbjahre bildeten somit die Ausgangsbasis für die maximalen Grundwasserstände, die im gesamten Stadtgebiet zu verzeichnen waren.

Besonders deutlich wird dies bei der Analyse der aktuellen Grundwasserganglinien des Stadtgebietes.

Weitere Entwicklung

Die hohen Grundwasserstände sanken seit Frühjahr 2002 nur geringfügig ab. Weiterhin lagen die Pegelstände im Juni 2002 noch deutlich über den langjährigen Mittelwasserständen.
Es hängt von den weiteren Niederschlägen, Verdunstung und Entnahmemengen ab, wie weit sich die Grundwasserstände bis Jahresende noch entwickeln. In der Regel nimmt die Grundwasserneubildung aus den Niederschlägen erst wieder im November zu.

Ob das hohe Grundwasserniveau vom Frühjahr 2001 und 2002 innerhalb der nächsten 9 Monate nochmals erreicht wird, ist von der weiteren klimatischen Entwicklung abhängig.

Maßnahmen der Stadt Ingolstadt

Lokal können weiter Ursachen zum Grundwasseranstieg bzw. den vereinzelt ausgelösten Schaden beigetragen haben. Im Rahmen von Beweissicherungen, Dokumentation und Ursachenermittlung werden durch die Stadt Ingolstadt regelmäßige Messungen an rd. 120 Grundwasserpegeln durchgeführt. Zusätzlich stehen 30 digitale Messsonden (Datenlogger) bereit, welche das Grundwassergeschehen kontinuierlich und lückenlos erfassen und somit fundierte Grundlagen für kompetente Entscheidungen sichern.

Für die Zukunft ist geplant, mit Hilfe eines Grundwassermodells eine vereinfachte Abbildung der Realität zu simulieren um die Wirkung vergangener und künftiger Maßnahmen oder sonstige Eingriffe in den Wasserhaushalt prognostizieren zu können.